Hallo, nutzt von Euch im Kundenprojekt jemand Cucumber und hat es dabei auch geschafft, dass sein Kunde die Features selbst schreibt? Oder alternativ der Kunde die Features korrekturliest + versteht + absegnent? Formuliert Ihr/Eurer Kunde dabei in Englisch oder Deutsch[1]? (reine Neugier...) Grüße & frohe Ostern, Roland [1] http://tinyurl.com/c2gfjp -- Moriz GmbH Hedwig-Dransfeld-Allee 14 80637 München Tel: 089/78795079 (AB) Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Roland Moriz Registergericht: Amtsgericht München Registernummer: HRB 174 294 USt-ID: DE260422784
on 2009-04-11 16:39
on 2009-04-11 16:57
2009/4/11 Roland Moriz <roland@moriz.de>: > Hallo, > > nutzt von Euch im Kundenprojekt jemand Cucumber und hat es dabei auch > geschafft, dass sein Kunde die Features selbst schreibt? > > Oder alternativ der Kunde die Features korrekturliest + versteht + > absegnent? Formuliert Ihr/Eurer Kunde dabei in Englisch oder Deutsch[1]? > Ich erwarte es nicht, dass der Kunde die Specs selbst schreibt, und halte es auch nach wie vor fuer eine Illusion, dass dies jemals effektiv funktionieren wird. Tests sind fuer mich auch mit Cucumber noch Entwicklersache. Es hat mit FIT und Fitnesse nicht funktioniert, und wird auch trotz der Einfachheit von Cucumber Entwicklersache bleiben. Ich schliesse es nicht aus, dass man dem Kunden angewoehnt, seine Spezifikationen schon so nah wie moeglich am Feature-Style zu halten, aber es wird da meistens immer noch einen Gap geben, den man selbst fuellen muss. Absegnung durch den Kunden ist wiederum eine andere Sache. Schoen lesbar und, so gut geschrieben, auch nachvollziehbar. Allerdings ist von Kundenseite immer eher das Endprodukt interessant, was eben den kompletten Auftritt inkl. Web-Oberflaeche beinhaltet. Ich schreibe grundsaetzlich meine Features auf English, bin da aber auch leidenschaftslos. Wenn nun ein Kunde daher kommt und sie gern auf Deutsch oder LOLcatz haben will, soll's mir auch recht sein. So sieht's da bei mir aus. Ich find das alles auch nicht schlimm, Testen mit Cucumber macht einfach Laune. YMMV. Cheers, Mathias
on 2009-04-11 18:22
Hallo Mathias, Mathias Meyer schrieb: >> Oder alternativ der Kunde die Features korrekturliest + versteht + >> absegnent? Formuliert Ihr/Eurer Kunde dabei in Englisch oder Deutsch[1]? ... > Allerdings ist > von Kundenseite immer eher das Endprodukt interessant, was eben den > kompletten Auftritt inkl. Web-Oberflaeche beinhaltet. Klar, das Endprodukt zählt. Aber die Anforderungen müssen doch in irgend einer, wenn auch kurzen und informellen Form, festgehalten werden. Dafür könnte Cucumber doch ein recht pragmatischer Weg sein wenn man den Kunden mit ins Boot zieht. Ausserdem keine "toten Dokumente" die keiner mehr liest sobald man loslegt. Wenn man ausschliessslich pro Stunde abrechnet, kann einem zwar eine "Auf Zuruf"-Spezifikation zunächst einmal egal sein. Spätestens wenn dann aber das Kundenbudget erschöpft und das Resultat nicht seinen Wünschen entspricht, kommen die Probleme: Man ist den Kunden los und trägt ggf. einen schlechten Ruf davon (oder imho schlimmer: "die Technologie (Rails) war schuld") Typische negative *Extrembeispiele* die ich in den letzten Jahren in meinem Umfeld beobachten durfte: Aus Entwicklersicht: "Kunde weiss nicht was er will" "Kunde will immer weitere Änderungen" "Kunde nervt total, hat keine Ahnung" "Kunde will nicht bezahlen / hat kein Geld" "Kunde hält mich hin" "Ich ignoriere meinen Ex-Kunden und habe die Zeit abgeschrieben" Aus Kundensicht: "Freelancer braucht so lange / ist so teuer" "Freelancer versteht das Problem nicht" "Freelancer denkt nicht mit" "Freelancer ist unzuverlässig" "Freelancer fragt wiederholt Fragen anstatt zu programmieren" "Wir suchen einen *richtig guten* *Experten*, weil der davor zu schlecht war" Wenn "wir" also den Anspruch haben technisch bessere Wege (TDD/BDD, agil (Scrum, XP, usw)) zu gehen als bisher im Marktsegment üblich, so sollten wir doch auch versuchen im Bereich der Projektspezifikation mit unseren Kunden professionellere Wege zu gehen? oder? unrealistisch? Hashrocket/Obie sind da wohl recht aktiv dabei. Aus .de sind mir ähnliche Beispiele bis jetzt nicht bekannt - deshalb meine Fragen. Grüße,Roland
on 2009-04-11 19:19
On 11.04.2009, at 18:21, Roland Moriz wrote: > Klar, das Endprodukt zählt. Aber die Anforderungen müssen doch in > irgend einer, wenn auch kurzen und informellen Form, festgehalten > werden. > Dafür könnte Cucumber doch ein recht pragmatischer Weg sein wenn man > den Kunden mit ins Boot zieht. Ausserdem keine "toten Dokumente" die > keiner mehr liest sobald man loslegt. > Tote Dokumente sind immer ein grosses Problem, von grossen Spezifikationen bin ich auch kein Fan. Die sind schon ueberholt, wenn man ueberhaupt anfaengt Code zu schreiben. Von daher bevorzuge ich Tools wie Pivotal Tracker, die das Story-Denken foerdern unabhaengig vom Tool was letztenendes fuer Akeptanztests verwendet wird. Hat man das intus, ist Schritt 2 der Push in Richtung Cucumber nur natuerlich. Wenn man das hinkriegt, top, aber ich denke, ein gewisser Gap zwischen Kunden-Szenarios und tatsaechlich notwendigen Szenarios wird immer bestehen. > Wenn man ausschliessslich pro Stunde abrechnet, kann einem zwar eine > "Auf Zuruf"-Spezifikation zunächst einmal egal sein. Spätestens wenn > dann aber das Kundenbudget erschöpft und das Resultat nicht seinen > Wünschen entspricht, kommen die Probleme: Man ist den Kunden los und > trägt ggf. einen schlechten Ruf davon (oder imho schlimmer: "die > Technologie (Rails) war schuld") > Ich denke dass das aber auch ein Problem ist, wie man mit dem Kunden die Dinge von Anfang an plant und angeht. Es ist einfach der klassische Kampf zwischen time-boxed/iterativ und festen Anforderungen bzw. End-to-end-Entwicklung in vorgegebenem Budget bzw. Zeitrahmen. Es ist eher die Frage welche Argumente man seinen Kunden anbringt, um eher Qualitaetsgetrieben zu arbeiten (und damit iterativ, was auch mit festen Budgets gut vereinbar ist wenn man's richtig anstellt). Welche Tools man dafuer verwendet, so meine Ansicht, sollte dem Kunden egal sein. Ich persoenlich habe es noch nicht erlebt, dass es jemand auf die Technologie schob. Die ist eh nie das Problem, aber das ist ein ganz anderes Thema. > Wenn "wir" also den Anspruch haben technisch bessere Wege (TDD/BDD, > agil (Scrum, XP, usw)) zu gehen als bisher im Marktsegment üblich, > so sollten wir doch auch versuchen im Bereich der > Projektspezifikation mit unseren Kunden professionellere Wege zu > gehen? oder? > Wie bereits gesagt denke ich, dass das einfach unabhaengig von den verwendeten Tools ist. Man wird nicht umhin kommen, Details aktiv und detailliert mit dem Kunden durch zu gehen. Sprint-Meetings finde ich dafuer ideal. Die dauern lange und sind ermuedend, aber dafuer ist einfach das gemeinsame Ziel, die Details so tiefgehend wie noetig und moeglich zu spezifizieren und in Storys zu packen, so dass am Ende jedem klar sein sollte, was zu tun ist. Selbst wenn man pro Stunde abrechnet, sollte man diesen Weg gehen, ich nehm das Wort professionell nicht gern in den Mund, aber so oder so waere es genau das, mit dem Kunden die Dinge vorher detailliert durchzusprechen. Ich denke einfach nicht, dass sich diese Probleme mit Tools loesen lassen, sie koennen allerdings einen kleinen Teil dazu beitragen. Mag bloed klingen, aber miteinander reden loest die Probleme noch am besten, so offen wie moeglich und so oft wie noetig, gerade um oben erwaehnte Gaps zu schliessen. Ich bitte die philosophisch langen Ausfuehrungen zu entschuldigen. Das sind einfach meine Erfahrungen mit dem Thema, wenn jemand andere hat, ich lass mich gern eines besseren belehren. Cheers, Mathias -- http://paperplanes.de http://twitter.com/roidrage
on 2009-04-11 20:16
Mathias Meyer schrieb: > Es ist eher die Frage welche Argumente man seinen Kunden anbringt, um > eher Qualitaetsgetrieben zu arbeiten (und damit iterativ, was auch mit > festen Budgets gut vereinbar ist wenn man's richtig anstellt). ...das klassische billig/schnell/pfuschig ("Lo-Fi") gegen qualitativ/nachhaltig/preiswert ("Hi-Fi") oder was man dafür hält. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir mit Rails in Deutschland irgendwo zwischen PHP- (oft ein Bsp. für "Lo-Fi") und J2EE-Projekten (für "Hi-Fi") verloren gehen weil der Qualitätsanspruch bei Webanwendungen in .de - imho, ymmv! - nicht besonders hoch zu sein scheint. Großkonzerne und Bestandsprojekte mit Tiefgang einmal ausgenommen. >> Wenn "wir" also den Anspruch haben technisch bessere Wege (TDD/BDD, >> agil (Scrum, XP, usw)) zu gehen als bisher im Marktsegment üblich, so >> sollten wir doch auch versuchen im Bereich der Projektspezifikation >> mit unseren Kunden professionellere Wege zu gehen? oder? >> ... > Ich denke einfach nicht, dass sich diese Probleme mit Tools loesen > lassen, sie koennen allerdings einen kleinen Teil dazu beitragen. Mag > bloed klingen, aber miteinander reden loest die Probleme noch am besten, > so offen wie moeglich und so oft wie noetig, gerade um oben erwaehnte > Gaps zu schliessen. Das stimmt und gehört dazu, hat den Nachteil (falls ausschliesslich nur geredet wird) das einer das Besprochene zu Papier/Datei bringen und abzeichnen lassen muss falls es die andere Seite später "vergessen" sollte bzw. für Teammitglieder die nicht dabei sein können. Dieser Aufwand bleibt üblicherweise beim Dienstleister hängen und ist im "Kleinkundensegment" oft schwer bis überhaupt nicht abzurechnen. Manchmal bekomme ich von Personen (oft mit namhaften IT/Startup Hintergrund) Anfragen ala "Was verlangt Ihr um xy.com nachzubauen?". Das ist auch bei einer Nachfrage die einzige "Spezifikation" die die Person hat und darauf von mir eine sinnvolle Antwort bzw ein detailliertes Angebot haben möchte. Da fällt es mir ernsthaft schwer eine Antwort zu verfassen. Geht man also bei so einer Anfrage davon aus, dass der Kunde einem nicht für das Ausarbeiten einer Spezfikation bezahlen kann/möchte, so könnte man Ihm zumindest sagen "spezifiere es möglichst in diesem cucumber-format - und melde Dich dann damit noch einmal". Die vielleicht 10% die das dann wirklich machen werden Kunden weil sie ernsthaftes Interesse haben. Vielleicht bin ich da auch naiv und solche Anfragen sind zu 100% "Junk". Im Übrigen mag ich den Pivotal Tracker intern auch sehr, allerdings nehme ich an, dass Kunden mit so einer Anwendung bei der Initialspezifikation mehr "Probleme" haben, als mit simplen Textdateien (Auch wenn der Vergleich beider dramatisch hinkt, ich weiss). > Ich bitte die philosophisch langen Ausfuehrungen zu entschuldigen. Im Gegenteil - ich finde es prima sich auch über solche Dinge unterhalten zu können. International (ok, USA-lastig) gibt es dafür eine rails-business Mailingliste auf Google - vielleicht wäre sowas auch für uns in .de sinnvoll? Grüße,Roland
on 2009-04-11 20:52
On 11.04.2009, at 20:15, Roland Moriz wrote: > Ich hab da unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Egal wie, mein Qualitaetsanspruch ist hoch, und das ist eine meiner Grundvoraussetzungen fuer ein Projekt. Die Frage nach Testing existiert fuer mich einfach nicht, und diesen Spirit versuche ich auch weiter zu vermitteln. Ich kann deinen Eindruck persoenlich nicht wirklich bestaetigen, und ich will auch keine Seitenhiebe auf PHP und J2EE von mir lassen, ich hab beides selber bis zum Umfallen gemacht, und in beiden Leuten der lo-fi und hi-fi Schlages getroffen. Das ist einfach unabhaengig von Sprache und Tools. So fremd mir PHP mittlerweile ist, so ordentlich wird es dennoch eingesetzt bei riesigen Seiten (Flickr z.B.) > Das stimmt und gehört dazu, hat den Nachteil (falls ausschliesslich > nur geredet wird) das einer das Besprochene zu Papier/Datei bringen > und abzeichnen lassen muss falls es die andere Seite später > "vergessen" sollte bzw. für Teammitglieder die nicht dabei sein > können. > > Dieser Aufwand bleibt üblicherweise beim Dienstleister hängen und > ist im "Kleinkundensegment" oft schwer bis überhaupt nicht > abzurechnen. > Versteh ich gut, und hier ist halt Vertrauen eine Sache, und eben ausreichende Ausfuehrung fuer Vertragsgeschichten die andere. Es bedarf keiner ausgiebigen Ausfuehrung von Features um gemeinsam zum Ziel zu kommen, ich baue dabei immer darauf, dass beide Seiten mit Vernunft zum Ziel kommen wollen. Hat bisher auch immer funktioniert. Konstanter Kontakt und Ruecksprache bzw. regelmaessige Demos helfen hier ungemein bei Risikominimierung fuer beide Seiten. > so könnte man Ihm zumindest sagen "spezifiere es möglichst in diesem > cucumber-format - und melde Dich dann damit noch einmal". > Es waere schon beinahe unverantwortlich hier ohne weitere Ausfuehrungen eine Antwort zu geben, und ich bin da voll on par mit der Herangehensweise entweder zuerst um detailliertere Ausfuehrungen von Features zu bitten, oder mit dem Kunden zusammen diese zu entwickeln. Klar ist letzteres auch eine finanzielle Frage, aber so oder so mache ich keine Angebote ohne konkrete Vorstellungen, auf die ich meine Abschaetzungen aufbauen kann. In meiner Erfahrung hilft es den Kunden in die richtigen Richtungen zu stossen, und unterstuetzend zur Seite zu stehen, ob Cucumber oder nicht. Wenn er keine Idee hat, wie man Storys definiert, hilft man ihm eben dabei. Es ist ein Zwiespalt, gerade im Kleinkundensegment, aber hier muss man Kompromisse finden. Dem Kunden kann man z.B. klar machen, dass man mit einer gut formulierten Listen von Storys wesentlich effektiver zum Ziel kommt, auch wenn der Anfangsaufwand vielleicht etwas groesser ist. > Die vielleicht 10% die das dann wirklich machen werden Kunden weil > sie ernsthaftes Interesse haben. Vielleicht bin ich da auch naiv und > solche Anfragen sind zu 100% "Junk". > Ich habe aehnliche Anfragen auch schon erlebt, aus denen dann auch tatsaechliche Projekte geworden sind, allerdings erst nachdem die Details genauer mit dem Kunden erarbeitet wurden. > Im Übrigen mag ich den Pivotal Tracker intern auch sehr, allerdings > nehme ich an, dass Kunden mit so einer Anwendung bei der > Initialspezifikation mehr "Probleme" haben, als mit simplen > Textdateien (Auch wenn der Vergleich beider dramatisch hinkt, ich > weiss). > Hier ist wiederum die Frage der gemeinsamen Verwendung. Wenn man zusammen mit dem Kunden von Anfang an auf sowas wie Pivotal Tracker setzt (ich find auch Karteikarten super, aber je nach Entfernung zum Kunden macht sich eine einfache Online-Loesung schon ganz gut), dann gewoehnt auch der sich dran. Alles ein Idealfall, aber ist eine Sache der gemeinsamen Eingewoehnung. Einfach vorwerfen sollte man ihm das Tool sicher nicht, sondern eher gemeinsam die Verwendung zusammen mit den Storys erarbeiten. > Im Gegenteil - ich finde es prima sich auch über solche Dinge > unterhalten zu können. International (ok, USA-lastig) gibt es dafür > eine rails-business Mailingliste auf Google - vielleicht wäre sowas > auch für uns in .de sinnvoll? > Ich denke das hier passt schon als Medium. Werden ja nicht allzu viele Diskussionen dieser Art bis dato abgehalten, wobei ich natuerlich neue Medien fuer neue Diskussionen immer begruesse. Cheers, Mathias -- http://paperplanes.de http://twitter.com/roidrage
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